Dienstag, 3. November 2015

Myanmar

Es ist 2:20 Uhr, ich sitze im Flughafen von Yangon und vertreibe mir die Zeit bis mein Flug nach Vietnam geht - um 15 Uhr. Meine Zeit in Myanmar ist schon vorbei.
Diese 10 Tage haben an Intensität die ganzen zwei Monate in Thailand bei weitem überstiegen, schon mal als spoiler.
Am Tag unserer Ankunft sind wir vom Flughafen aus direkt zu unserem Hostel gefahren und haben aus dem Taxi heraus die ersten Eindrücke bekommen. Gepflegte Parks neben herunter gekommenen Häusern, schmutzige Fassaden und viel Verkehr. Nach kurzem Stop im Hostel sind wir dann direkt auf Entdeckungstour und Essenssuche aufgebrochen. Und wurden überwältigt. Alle Sinne wurden auf einmal bestürmt - unbekannte Gerüche, der laute Verkehr, der unglaubliche Anblick der prachtvoll kaputten Häusern. Wie berauscht sind wir herumgestolpert und haben uns am ersten Straßenstand mit vegetarischem Essen hinhesetzt. Nach ein paar Minuten haben sich zwei Kinder ohne Wort an unseren Tisch gesetzt und schweigend ihre Hausaufgaben gemacht - ein süßer Willkommensgruß von Myanmar.
Nach dem ersten Mahl ( übrigens köstlich ), sind wir dann weiter durch die Stadt gezogen und haben erste Einblicke in die religiöse Vielfalt dieses Landes und vor allem dieser Stadt bekommen - an Kirchen, buddhistischen, sowie hinduistischen Tempeln, als auch Moscheen sind wir vorbei gelaufen. Friedliche Koexistenz wurde uns hier vorgelebt.
Die Tempel waren von überwältigender Schönheit.
Am nächsten Tag wurden wir mit den ersten Problemen konfrontiert, die mit dem Reisen in.einem Land, das sich gerade erst für den Tourismus geöffnet hat, einhergehen. Von Thailand und seiner Infrastruktur verwöhnt hatten wir nicht daran gedacht, dass man irgendwann mal gesagt bekommen würde, dass die Busse zu seinem Ziel schlicht und einfsch ausgebucht sind. Und zwar für die nächsten vier Tage. Wir sind Marathons durch die Stadt gelaufen, um uns ein Busticket zu organisieren - letztendlich mussten wir etwas umplanen und die Reihenfolge unserer Reiseroute ändern. Erste Lektion.
An diesem Tag sind wir durch die Innenstadt über chaotische und laute Märkte gelaufen mit Massen an Menschen, Tieren und allem, was sich verkaufen lässt. Erschöpft von dem Trubel haben wir uns am Hafen in ein Tee"haus" niedergelassen - ein Bierzelt mit Plastiktischen und Stühlen. Direkt wurden wir umringt von Einheimischen, die mit uns Gespräche über ihre Sitten und Kultur angefangen haben und total interessiert waren. Die Leute in Myanmar sind unglaublich offen, freundlich und extrovertiert. Ins Gespräch zu kommen ist sehr einfach, zum Teil gar nicht zu vermeiden.
Am nächsten Tag haben wir uns noch den größten Markt Yangons angeschaut, bevor wir dann zu der chaotischsten Bushaltestelle gefahren sind, die ich in meinem Leben je gesehen habe ( es ist eigentlich eine eigene kleine Stadt mit einem Bus vor jeder Hütte ), wo wir uns in einen Nachtbus zum Inle See gesetzt haben.
Als wir da um 6 Uhr Morgens verschlafen aus dem Bus gestolpert sind, sind wir zum Glück zwei sehr freundlichen Tuk Tuk Fahrern in die Arme gelaufen, die uns von ausgebuchten Hotel zu ausgebuchten Hotel gefahren haben, bis wir etwas gefunden haben. Wir mussten uns noch etwas an die Notwendigkeit des vorbuchens gewöhnen. Unser Busticket für den nächsten Tag haben wir direkt besorgt - etwas gelernt hatten wir also schon. Daraufhin sind wir mit Fahrrädern durch die idyllische Landschaft gefahren und haben Abends einen tollen Kochkurs mitgemacht. Beim Essen hat unser Kochlehrer uns dann nebenbei informiert, dass heute ein Feiertag wäre und gleich ein Umzug vorbeikommen würde, mit dem wir mitziehen könnten. Gesagt, getan. Der Laternenumzug kam und wir folgten. Erst fühlten wir uns wie Außenseiter, doch nach gefühlten fünf Sekunden hatten uns die Leute schon Laternen in die Hand gedrückt, uns Böller gegeben, und wir waren Teil des ganzen. Wir haben mit Mönchen zu Trommelmusik getanzt, leuchtende Ballons steigen lassen und Nachts mit Einheimischen Tee getrunken. Es war magisch.
Am nächsten Tag sind wir dann in einem klassischen Longtail Boot über den schönen See getuckert, bevor wir den nächsten Nachtbus nach Bagan genommen haben.
Etwas, was ich in Myanmar definitiv auch gelernt habe ist, was für eine Art von Reisen für mich gut ist und wie viel ich meinem Körper antun kann, bevor er zurück schlägt. Nachdem wir eine Weile in einer Stadt höchstens zwei Nächte, meistens aber nur eine verbracht haben, und faste jede zweite Nacht im Bus, hat mein Körper gestreikt. Der Schlafdefizit und die Reizüberflutung hat mich dann einen Tag ans Bett gebunden und mich einen zweiten Tag noch sehr ruhebedürftif hinterlassen. Johanna ging es ähnlich. Ich bereue nicht, dass wir es in Myanmar so gemacht haben, da wir nur so wenig Zeit hatten, allerdings habe ich dadurch echt gelernt, was für mich geht und, wo mein Körper eine Grenze zieht.
Bagan war wunder, wunderschön. Das UNESCO Welterbe ist eine Tempelstadt mit noch 2000-4000 mehr oder weniger erhaltenen Tempeln. Man muss es einfach mal gesehen haben. Auch dort wurden wir von den Bewohnern wieder in unglaubliches involviert. Wir saßen an einen Tempel, um den Sonnenuntergang zu beobachten, als ein Mädchen plötzlich auf uns zu kam und fragte, ob wir gerne helfen würden, den Tempel mit Kerzenlicht zu schmücken, für einen Feiertag. Ach, was das Leben einen nicht alles schenkt an Erlebnissen!
Nach zwei Nächten in Bagan haben wir wieder eine im Bus verbracht auf dem Weg nach Bago. Das erste mal konnte ich in einem Bus richtig schlafen. Wir haben tatsächlich so gut geschlafen, dass wir in Yangon statt in Bago aufgewacht sind. Wir haben also einen anderen Bus genommen, um die zwei Stunden zurück zu fahren. In Bago sind wir mit Fahrrädern herum gefahren. Schnell wurde uns der Stress der Stadt zu viel und wir haben mit google maps versucht einen See in der Nähe zu finden. Google maps führte uns direkt zu einer kleinen Bambushütte irgendwo im nirgendwo. Die Tochter der Familie hat sich direkt auf den Weg gemacht und uns zum See geführt - sie ist mit uns 30 Minuten durch die Sonne gelaufen, ohne irgendetwas zu fordern.
Nach diesem entspannenden Tag sind wir heute zurück nach Yangon und zum Flughafen, wo es für mich uns Johanna nach fast einen Monat gemeinsamen Reisens Abschied hieß.
Myanmar war stressig, antrengend und überwältigend. Es war definitiv außerhalb unserer Komfortzone.
Und es war definitiv eine der schönsten, lehrreichsten und inspirierendsten Wochen meines Lebens.
Jetzt bin ich erschöpft und freue mich auf mein Strandhüttenhostel in Vietnam.
Bis bald!







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